Warum Räume erst dann lebendig werden, wenn sie Geschichten erzählen

Wenn ich die Augen schließe und mich an das Haus meiner Oma erinnere, habe ich es sofort vor mir. Jedes kleine Detail.

Der Eingangsbereich mit dem Holzwindspiel – allein wenn ich daran denke, höre ich es. Die Kommode im Flur mit dem gehäkelten Deckchen und dem olivgrünen Retro-Telefon mit Wählscheibe.
Blumenmuster, viel Holz und an jeder Wand hingen Bilder. Ganz kleine und große. Keine gekauften Poster. Echte Bilder. Von Landschaften, Katzen und Blumen. Für mich waren es einfach hübsche Bildchen, doch hinter jedem steckte eine Geschichte. Als Kind fragte ich viel – und meine Oma erzählte gerne. Ihr Haus war wie ein Buch voller Geschichten.

Die grüne Treppe und das, was danach kam, mochte ich am liebsten. Auf dem Weg nach oben war nämlich eine Bildergalerie. Uromas und Opas standen da, mit ernstem Blick in Schwarz-weiß. Zwischendrin Fotos von meiner Mama und ihren Brüdern. Dass Mama auch mal ein Kind war, war damals für mich irgendwie absurd.

Im ersten Stock angekommen stand mein persönliches Highlight: Omas Setzkasten.

Darin lagen Schätze aus Urlauben, von Spaziergängen und schönen Momenten. Neben bunten Steinen standen kleine Figuren, Schnitzereien und – warum auch immer – ein Kronkorken. Oft standen wir davor und haben ihn gemeinsam angeschaut. Ich stellte Fragen, meine Oma erzählte Geschichten und jedes einzelne Fach wurde irgendwie zu einem kleinen Fenster in ihr Leben.

Damals wusste ich noch nicht, dass genau diese Dinge mir einmal zeigen würden, was ein Zuhause wirklich besonders macht.

Nicht perfekte Möbel. Nicht trendige Deko. Sondern Dinge, die eine Geschichte erzählen.

3 Dinge, die Persönlichkeit in dein Zuhause bringen:


1. Vorgezogene Erbstücke – oder: Schatzsuche auf dem Dachboden

Neue Wohnung, neue Möbel, neue Deko – alles neu und nichts fühlt sich nach Zuhause an?

Neue Dinge sind schön, haben allerdings (noch) keine eigene Geschichte. Deshalb mein Tipp: Hol dir Dinge mit Geschichte in deine Räume.

Das kann ein Bild aus dem Elternhaus sein, eine alte Kommode von Oma oder ein ausrangiertes Dekoelement von Freunden. Egal ob klein oder groß, wenn du dir Dinge von Menschen, die dir wichtig sind, in dein Zuhause holst, wirst du öfter an diese Menschen denken und dich dabei vielleicht ein bisschen mehr zuhause fühlen.

Einfach mal bei Eltern, Großeltern und Bekannten nachfragen und nach „vorgezogenen Erbstücken“ fragen. Du wirst überrascht sein, was da plötzlich aus Dachböden, Kellern oder alten Abstellkammern auftaucht.

Ein schönes Bild, das man schon als Kind faszinierend fand, ist hundertmal mehr wert als ein 0815-Poster aus dem Online-Shop.

Und falls das gute Stück optisch noch nicht ganz zu deinem Stil passt: Möbel lassen sich streichen, Bilder neu rahmen oder kleine Details austauschen. Viele alte Möbel haben eine Qualität und eine Ausstrahlung, die man mit neuen Möbeln oft gar nicht mehr bekommt.

Eine Teilnehmerin aus meiner Academy hat zum Beispiel die alte Kommode ihrer Oma übernommen. Dunkel, schwer, ein bisschen in die Jahre gekommen. Nach einem Anstrich in einem Salbeiton und neue Deko drumrum wurde daraus plötzlich das schönste Möbelstück im Flur – und jedes Mal, wenn sie daran vorbeiläuft, denkt sie an ihre Oma.

2. Urlaubsmitbringsel (aber bitte nicht der Mini-Eiffelturm)

Urlaubsmitbringsel können unglaublich viel Persönlichkeit in Räume bringen.

Aber ich meine damit nicht den Mini-Eiffelturm aus Paris oder den Kühlschrankmagneten aus Mallorca.

Ich meine Dinge, die du wirklich mit einem Moment verbindest.

Vielleicht ein Stein vom Strand, den du beim Sonnenuntergang aufgehoben hast.

Eine kleine Keramikschale aus einem portugiesischen Töpferladen.

Ein handgeschnitzter Holzlöffel vom Wochenmarkt in Südtirol.

Oder ein Stück Treibholz vom letzten Nordseeurlaub.

Das sind Dinge, die Erinnerungen auslösen.

Und genau darum geht es.

3. Dinge mit Geschichte

Manchmal sind es gar nicht die großen Möbelstücke, die Persönlichkeit in einen Raum bringen, sondern die kleinen Dinge.

Getrocknete Blüten, aus dem Garten deiner Eltern.
Eine alte Tasse, die früher deiner Tante gehört hat.
Ein Buch, das dich durch eine wichtige Zeit begleitet hat.

Oder auch Dinge, bei denen andere vielleicht kurz stutzen würden.
Zum Beispiel ein Kronkorken, der einfach so in einem Setzregal steht.

Für Außenstehende ist das vielleicht einfach nur ein Kronkorken. Für dich kann es aber die Erinnerung an einen bestimmten Abend sein, an eine Feier, an einen wichtigen Moment oder an eine Person.

Und genau solche Dinge sind es, die Räume lebendig machen.

Ich sehe es übrigens immer als großes Vertrauensgeschenk, wenn Teilnehmerinnen meiner Kurse mir von solchen Geschichten erzählen. Wenn sie mir zeigen, welche Dinge ihnen wirklich wichtig sind und wir gemeinsam überlegen, wie diese Erinnerungen einen schönen Platz im Zuhause bekommen können.

Das können ganz unterschiedliche Dinge sein.

Die Gartenzwergsammlung des verstorbenen Opas, die eigentlich viel zu schade ist, um im Keller zu verschwinden. Eine Familienwand mit Fotos, bei der man sich fragt, wie man sie so gestaltet, dass sie nicht chaotisch wirkt, sondern richtig schön wird. Oder kleine Erinnerungsstücke, die bisher keinen richtigen Platz hatten.

Genau solche Aufgaben liebe ich. Weil es dabei nie nur um Einrichtung geht, sondern immer auch um Menschen und ihre Geschichten.

Wie Omas Setzkasten mein liebstes Einrichtungsstück wurde

Als das Haus meiner Oma verkauft wurde, durften Kinder und Enkel sich etwas aus ihrem Haus aussuchen. Ich bekam den Setzkasten.

Er wanderte erstmal in den Keller, weil ich wusste, dass ich einen besonderen Platz dafür haben wollte, aber unser Haus war voll und der rustikale braune Setzkasten passte nicht wirklich zu unserem Stil. Einfach streichen wollte ich ihn auch nicht.

Also wartete er auf seinen Einsatz.

Bis ich mich irgendwann dazu entschlossen habe, unseren Abstellraum in mein Büro zu verwandeln. Einen Raum für mich und meine Kreativität. Jetzt hängt er hier. Original – aber trotzdem in meinem Stil.

Ich habe eine Art Collagen-Kasten daraus gemacht und einzelne Fächer mit Bildern und Hintergründen gestaltet. Einige Fächer enthalten noch die kleinen Schätze meiner Oma. Andere habe ich mit Dingen gefüllt, die mir wichtig sind: Pflanzen, Ethno-Muster, der „wohl schönste Kieselstein auf der Welt, den mein Sohn beim Spaziergang unbedingt mit nachhause nehmen musste. Lieblingsinspirationen und sogar mein noch nicht erfüllter Traum von einer Mini-Korbschaukel im Garten hat darin einen Platz gefunden.

Ein paar Fächer sind mit kleinen Urlaubsmitbringseln gefüllt, andere mit getrockneten Pflanzen aus dem Garten meiner Eltern.

Und auch ein Kronkorken steht darin. Nicht der von meiner Oma. Sondern der Kronkorken von der Sektflasche, die ich geöffnet habe, als ich meinen Online-Einrichtungskurs zum ersten Mal veröffentlicht habe. Ich habe ihn damals aufgehoben, ohne genau zu wissen, was ich einmal damit machen würde.

Jetzt steht er im Setzkasten. Eine kleine Hommage an den Kronkorken meiner Oma – und gleichzeitig eine Erinnerung an einen Moment, der für mich unglaublich wichtig war.

Dieser Setzkasten ist heute mein liebstes Einrichtungsstück in unserem Haus. Nicht, weil er besonders modern oder besonders teuer ist, sondern weil er viele Geschichten in sich trägt.


Persönlichkeit vor Optik – und trotzdem ein schönes Zuhause

Persönlichkeit vor Optik bedeutet übrigens nicht, dass ein Zuhause zusammengewürfelt aussehen muss.
Es ist absolut möglich, Räume zu gestalten, die schön sind und gleichzeitig voller persönlicher Geschichten stecken.
Genau das ist mein Steckenpferd und das, was ich an meiner Arbeit so liebe: Räume zu gestalten, die nicht nur gut aussehen, sondern sich auch wirklich nach Zuhause anfühlen.

Meine Ideen rund um Persönlichkeit im Zuhause sind dabei ziemlich grenzenlos. Ob alte Erbstücke, persönliche Erinnerungen, Familienbilder oder kleine Dinge mit Geschichte – am Ende geht es immer darum, dass dein Zuhause nicht aussieht wie aus einem Möbelkatalog, sondern wie dein Leben.

Und genau dabei unterstütze ich Menschen in meinen Kursen und persönlich. Dort schauen wir uns nicht nur Möbel und Farben an, sondern auch die Geschichten hinter den Dingen – und überlegen gemeinsam, wie daraus Räume entstehen können, die schön sind, persönlich und voller Leben.

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