Meine persönlichen Werte – und was sie mit meiner Arbeit zu tun haben
„Was ist deine Superkraft?“
Stille.
Ein Raum voller selbstständiger Frauen. Bestimmt 300. Alle denken nach. Man kann es fast spüren, wie hier gerade Gehirne auf Hochtouren laufen.
Ich schaue mich um und bleibe an einer Frau im hellblauen Blazer hängen. Mitte 30 vielleicht. Sie schaut in ihr Journal, zögert kurz – und setzt dann an zu schreiben.
Und plötzlich passiert etwas.
Sie lächelt. Und bekommt Freudentränen.
In diesem Moment wusste sie es. Sie hat ihre Superkraft gefunden.
Diese Frau war ich. Vor zwei Jahren, auf einem Female-Business-Festival.
Damals schrieb ich in mein Journal:
„Meine Superkraft ist kreative Lösungsfindung. Ich erkenne Probleme schnell, verstehe Menschen – und finde einfache, lebensnahe Lösungen, die sich gut anfühlen.“
Vor ein paar Tagen bin ich wieder über diese Zeilen gestolpert und musste grinsen. Nicht, weil sie perfekt formuliert waren. Sondern weil ich dachte: Ja. Das bin ich.
Und gleichzeitig kam eine neue Frage:
Warum eigentlich?
Warum arbeite ich so, wie ich arbeite und warum funktioniert das so gut?
Die ehrlichste Antwort darauf ist wahrscheinlich: Weil es mir nie nur um Geld verdienen ging. Sondern um das, was meine Arbeit bewirken kann.
Um Gefühle. Um Sicherheit. Um dieses leise „Hier bin ich richtig“.
Und vielleicht auch darum, wie wir miteinander umgehen. Wie wir arbeiten. Und wofür wir losgehen.
Also habe ich mir Gedanken gemacht.
„Was macht meine Arbeit und mich aus?“
Und am Ende…bin ich bei meinen persönlichen Werten hängen geblieben. Sie sind es, die meine Arbeit prägen.
Unverstellte Ehrlichkeit
Ich war noch nie besonders gut darin, Dinge schönzureden. Nicht im Leben – und auch nicht in meiner Arbeit.
Gerade online sehen wir ständig Räume, die sich jedes Jahr neu erfinden. Neue Couch, neue Farben, neues Konzept. Und irgendwo zwischen Vorher-Nachher-Reels und perfekt drapierten Vasen entsteht dieses Gefühl: „Vielleicht fehlt mir einfach noch dieses eine Teil.“
Diese eine Lampe. Diese eine Vase. Dieser eine magische Deko-Gral.
Und dann wird alles gut.
Ich verstehe total, wie man da reinrutscht. Wirklich. Ich saß selbst schon mit offenem Mund vor Instagram-Wohnzimmern und dachte: „Aha. Also muss ich jetzt offenbar mein komplettes Leben in Beige umdekorieren.“
Aber ehrlich? Ein stimmiges Zuhause entsteht selten durch noch mehr Zeug.
Es entsteht durch Verstehen.
Durch Vertrauen.
Durch dieses kleine „Moment mal… gefällt mir das eigentlich mir – oder nur meinem Algorithmus?“
Durch ehrliches Hinsehen anstatt blindem Kopieren.
Ich verspreche keine Wunderlösungen und arbeite nicht mit Druck. Du brauchst mich nicht, um dein Zuhause schön zu gestalten. Du kannst dir sehr vieles selbst beibringen. Aber vielleicht geht es gemeinsam leichter. Klarer. Und mit deutlich weniger Pinterest-Verwirrung im Kopf.
Mir ist wichtig, dass sich niemand abhängig fühlt. Sondern bestärkt.
Deswegen bin ich ehrlich. Ich sage dir nicht „Mit meinen Kursen wird sofort alles gut!“ oder „Du bekommst eine 100%-Garantie-Lösung!“ – nein. Du musst selbst daran arbeiten. Es wird Zeit brauchen. Du wirst hier und da in neue Dinge investieren müssen – aber es wird sich lohnen! Und ich sage dir ganz ehrlich, worauf du achten musst, was du weg lassen kannst und erkläre dir warum die weiße Hochglanz Kommode vielleicht nicht die Beste Wahl ist – auch wenn du das nicht hören willst.
Unverkopfte Klarheit
Ich liebe diese Momente, in denen plötzlich etwas Klick macht. Wenn jemand sagt:
„Ach so. Deshalb hat sich mein Wohnzimmer nie richtig angefühlt.“
Vielleicht kommt das daher, wie ich selbst groß geworden bin.
Meine Mama hatte früher eine kleine Tradition: Nach der Gute-Nacht-Geschichte durfte ich immer noch eine Frage stellen. Egal welche. Und sie hat sie mir beantwortet. Einfach. Solange, bis ich es verstanden habe und die Frage für mich abhaken konnte.
Und ich war ein Kind mit vielen Fragen. So ein „Aber warum?“-Kind.
Warum fühlt sich Omas Haus wie mein Zuhause an, obwohl ich dort nur selten bin?
Warum riecht Regen so gut?
Warum ist Gras grün – und warum hat man Lieblingsfarben?
Ich durfte alles fragen. Nachhaken. Und nochmal. Wenn ich etwas nicht verstanden habe, hat sie mir das Thema mit Beispielen oder Geschichten erklärt. Unglaublich wie geduldig sie mit mir war.
Diese Art zu erklären hat sich tief in mir eingebrannt. Nicht einfach Wissen weitergeben, sondern Zusammenhänge fühlbar machen.
Heute merke ich das total in meiner Arbeit. Ich will nicht, dass du Dinge einfach nachmachst wie ein Rezept ohne Geschmack. Ich will, dass du verstehst, was du da eigentlich tust.
Warum ein Raum unruhig wirkt, obwohl jedes Teil einzeln schön ist – wie ein Outfit, bei dem alles teuer war und trotzdem irgendwas nicht stimmt.
Warum dich manche Wohnungen sofort entspannen, noch bevor du deine Jacke ausgezogen hast – und andere sich trotz Designer-Sofa nie nach Zuhause anfühlen.
Und warum „schön“ nicht automatisch „stimmig“ bedeutet. So wie ein Pinterest-Bild, das toll aussieht – aber sich in der eigenen Wohnung plötzlich fremd anfühlt.
Einrichten ist kein geheimes Talent. Oft fehlt einfach nur eine verständliche Logik, die einem nie jemand erklärt hat.
Ungekünstelte Empathie
Ein Zuhause entsteht nicht im luftleeren Raum. Sondern mitten im Leben.
Mit Kindern, die innerhalb von zehn Minuten aus „aufgeräumt“ wieder „Lego-Minenfeld mit Kuscheltier-Kollateralschaden“ machen. Mit Wäschebergen, mentalen To-do-Listen und Tagen, an denen man eigentlich streichen wollte – und dann sitzt man abends doch auf dem Sofa, isst Snacks und schaut „nur noch eine Folge Bridgerton“.
Und plötzlich ist es halb eins, man ist emotional komplett investiert in fiktive Herzschmerzdramen – und die Wand ist immer noch weiß.
Ich kenne das.
Ich kenne auch dieses Scrollen durch perfekte Wohnungen und gleichzeitig das Gefühl:
Bei mir sieht es gerade einfach nach Leben aus.
Und genau deshalb ist mir Empathie so wichtig. Ich möchte niemandem das Gefühl geben, hinterherzuhinken.
Oder „nicht gut genug“ zu wohnen.
Schön wohnen ist für mich kein Wettbewerb. Und auch kein Statussymbol.
Es geht um dieses leise Aufatmen, wenn du die Tür hinter dir zumachst und denkst:
„Ach. Hier bin ich richtig!“
Ich weiss wie es sich anfühlt, wenn man nicht zufrieden ist mit den eigenen vier Wänden. Es nervt. Jeden. Einzelnen. Tag.
Und ich wünsche mir, dass möglichst viele Menschen sich dieses Gefühl von „Hier fühl ich mich Zuhause“ erschaffen können, weil ich weiss, wie unglaublich schön dieses Gefühl ist.
Und es geht. Mit Alltag, To-Do-Listen, Kita-Krankheitstagen und Bridgerton.
Ungezähmte Kreativität
Ich mochte noch nie Schubladen. Und wenn ich ehrlich bin, passe ich selbst in keine.
Ich war schon immer ein kreativer Mensch – im klassischen Sinne. Ich bin die, die nachts um halb elf noch Möbel rückt, spontan ein DIY anfängt oder sich komplett in eine Idee reinsteigert.
Aber meine Kreativität geht noch weiter. Ich liebe es, Lösungen zu finden.
Verbindungen zu sehen, wo andere Chaos sehen.
Dinge so lange zu drehen, bis sie plötzlich Sinn ergeben.
Mein Kopf ist manchmal wie ein Ideenkarussell auf Espresso. Ich kann Räume im Kopf umstellen, Farben neu kombinieren, Vergleiche bauen, die plötzlich alles greifbar machen.
Und genau das liebe ich an meiner Arbeit.
Diese Momente, in denen jemand erst komplett überfordert ist – und dann nach einem Beispiel sagt:
„Okay… auf diese Idee wäre ich alleine nie gekommen!“
Kreativität bedeutet für mich nicht, besonders ausgefallen zu sein. Sondern beweglich zu denken. Sich zu trauen, Dinge anders zu sehen. Und sich nicht ständig zu fragen, ob etwas „richtig“ ist – sondern ob es sich gut anfühlt.
Und genau das mache ich in meiner Arbeit. Ich finde kreative Lösungswege und Erklärungen, die dir im Kopf bleiben, Spaß machen und Lust sie auszuprobieren. Das ich mit dem Job als Interior Coach einen Weg gefunden habe meine Kreativität auf so viele unterschiedliche Arten ausleben kann, macht mich unglaublich glücklich.
Am Ende ist Bloom Your Room genau das: Eine Liebeserklärung an meine Kreativität.
Neulich schrieb mir eine Teilnehmerin nach einem Kurs, dass sie abends auf ihrem Sofa saß, sich umgeschaut hat – die Farbeimer noch nicht weggeräumt und die Bilderrahmen noch ohne Inhalt an der Wand und trotzdem dachte sie:
„Krass. Ich hab das selbst gemacht.“
Dieser Satz ist mir hängen geblieben. Weil er genau beschreibt, worum es mir geht.
Nicht perfekte Räume. Sondern dieses Gefühl.
Dieses leise: „Ich kann das ja.“
Und vielleicht ist genau das meine eigentliche Superkraft:
Menschen daran zu erinnern, dass viel mehr in ihnen steckt, als sie denken.
Und wenn du jetzt Lust hast, dein Zuhause (oder dich selbst) ein kleines bisschen neu zu entdecken — dann stöber gern weiter.
Schön, dass du hier bist.